Die Insel Noirmoutier: https://de.wikipedia.org/wiki/Île_de_Noirmoutier (externer Link)
Der Ruderclub DNN: https://www.avironnoirmoutier.fr/page/1212868-ecole-francaise-d-aviron (externer Link)
Das Rudern
Das alles beherrschende Thema sind die Gezeiten. Am Meer gibt es bekanntlich in 24 Stunden 2-mal Ebbe und 2-mal Flut. Auf der Insel Noirmoutier sind die Gezeiten stark ausgeprägt: bis zu 5 m Tidenhub treten auf. Das ist deutlich mehr als an der deutschen Nordseeküste.
Die Gezeiten führen dazu, dass die Boote mal 20 Meter und dann auch mal 100 oder gar 200 m weit bis zum Wasser transportiert werden müssen.
Die Gezeiten führen dazu, dass das Rudern wesentlich gefährlicher ist als auf dem See oder an Flüssen: so gibt es bei Noirmoutier große Felsengruppen im Meer. Bei Ebbe sind sie gut zu sehen, bei Flut sind sie deutlich unter dem Wasser. Aber bei mittlerer Höhe sind sie kaum zu sehen und sehr gefährlich.
Die Gezeiten führen zu Strömungen, die bei Noirmoutier leicht eine Geschwindigkeit von 1 bis 2 km/h haben, in Ausnahmefällen auch bis zu 5 km pro Stunde. In Verbindung mit Wind und Wellen führt das dazu, dass die Route durch die Gezeiten bestimmt wird – man will ja schließlich auch wieder daheim ankommen.
Nie geht ein Boot allein aufs Meer. Alle Boote haben immer ein VHF dabei dh ein Funkgerät, mit dem sie untereinander Verbindung aufnehmen und notfalls die Küstenwache alarmieren können. Rettungswesten obligatorisch. Es herrscht immer Sichtverbindung. Alle Boote haben ein seemännisch befestigtes Tau dabei, an dem sie notfalls von einem anderen Boot oder der Küstenwache abgeschleppt werden können. Im Rudersport herrscht nach meiner Erfahrung weltweit eine große Hilfsbereitschaft. Aber hier ist sie besonders groß- wegen dieser dauernden Gefährdung.
Man wird immer nass- schon beim Einsteigen. Das erfolgt so, dass die Boote mit dem Bug zum Meer hin ausgerichtet werden. Aber dann geht es bis zu den Beinen, oft bis zum Bauch ins Wasser. Einer steigt ein, die anderen halten oder stabilisieren das Boot.
Auf dem Wasser kann es schon mal passieren, dass die ganze Mannschaft bis zum Bauch im Wasser sitzt: wenn die schwersten Personen beim Steuer sitzen und die leichtesten im Bug. Und dann Wellen von hinten kommen: dann hat der Steuermann schon viel zu tun, bis er das Boot wieder geleert hat.
Die Wassertemperaturen liegen im Sommer um die 20 Grad, fallen im Winter auf ca. 10 Grad. Gerudert wird im Sommer und im Winter!
Die Boote sind speziell für das Rudern auf dem Meer konzipiert. Sie sind breit und haben große geschlossene Luftkammern, so dass sie unsinkbar sind und immer tragen. Dadurch sind die Boote sehr schwer- geschätzt doppelt so schwer wie ein Gig Boot.
Die Breite der Boote macht sie stabil. Aber wenn die Wellen mal richtig rollen, dann kann man im Einer oder im Zweier schon das Gefühl haben, dass es das Boot gleich umschmeißt. Durch die hochklappenden Ausleger kann man mit den Skulls nicht stabilisieren. Da bleibt dann nur die Körperarbeit und die wird zur Schinderei. Bei zwei geübten Ruderern wird das zum Paartanz.
Ja, das ist eine Besonderheit der Boote: die Ausleger können frei nach oben wegklappen. Bei den oft hohen, kurzen Wellen auf dem Meer ist das zweckmäßig.
Absagen aufgrund von ungünstigen Wetterverhältnissen kommen immer wieder vor. Häufigste Ursache ist der Wind.
Wenn man Glück hat, kann man auch mal Delphine beobachten, die neben den Booten herschwimmen….
Es gibt große Unterschiede zwischen dem Küstenrudern und dem Rudern auf Seen und Regattastrecken, aber in beiden Fällen gilt für mich: nach dem Rudern hab ich immer gute Laune.
Der Club
Der Ruderclub „Les Dames de Nages de Noirmoutier“ DNN wurde 2013 von Einwohnern der Insel Noirmoutier gegründet und hat heute ca. 70 Mitglieder. Damen und Herren etwa 50/50.Ich bin seit 2018 im Club. Ich schätze, dass 2/3 der Mitglieder auf der Insel wohnen. 1/3 rudert dort nur im Urlaub. Entsprechend steigt in den Sommermonaten die Präsenz.
Der Name ist interessant: die „Dames de Nages“ sind der französiche Ausdruck für die Dollen.
Und der Club hat seinen Sitz am Plages des Dames, am Nordende des Städtchens Noirmoutier-en-Ile, zum Festland hin. Dort wo der flache Strand in eine felsige Küste mit schönen Buchten übergeht.In einem Schuppen unterhalb der Segelschule auf ungefähr 20 m2. Ja! auf 20 Quadratmetern ist alles untergebracht, was es braucht: Skulls (waagrecht gelagert), Rollsitze, Taue, Funkgeräte, Rettungswesten, Schöpfkellen, Notrufraketen usw. Alles ist sehr effizient organisiert, zB die Schreibtafel, die vor jeder Ausfahrt ausgefüllt wird: mit dem „Responsable du Sortie“ (dem für die Ausfahrt Verantwortlichen), den Booten, den Besatzungen, Zeit der Flut, Zeit der Ebbe, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, das Ziel. Kommt plötzlich noch jemand dazu, fällt jemand aus: wird einfach gewischt und die neue Kombination auf der Schreibtafel eingetragen.
Der Club verfügt über Einer, Zweier und Vierer mit – alles Skull Boote.
Die Boote liegen im Freien: die Vierer mit Abdeckung auf ihren Transportwagen, die Zweier und Einer auf Ablagen mit dem Kiel nach oben.
Der Transport zum Wasser (zwischen 20 und 200 m) erfolgt auf 2 und 4 rädrigen Wagerl durch den Sand. Eine Schinderei, bei der auch wieder alle zusammen helfen müssen.
Ausfahrten sind dreimal die Woche. Dabei sind je nach Wetter und Jahreszeit etwa 10 bis 25 Mitglieder auf dem Wasser. Zwischen 10 und 15 km sind üblich.
Das Duschen erfolgt daheim. Oder wird durch Baden im Meer ersetzt.
Es gibt einen zweiten Standort am Port de Morin, auf der Westseite der Insel zum offenen Meer hin. Dort wo kilometerlange Sandstrände mit Dünen zum Laufen und Baden einladen. Dort liegen nur ein paar Boote. Der Standort wird benutzt, wenn starker Ostwind herrscht. Oder wenn man einmal die Weite des offenen Meeres erleben will.
Der Club ist unglaublich aktiv. Neben den regelmäßigen Ausfahrten gibt es Schnupper- und Trainingsstunden für Interessierte, Fortbildungskurse, Touren zu anderen Stellen auf der Insel mit Pique-Nique, Touren zum Festland. Dann wird mal der Strand gesäubert. Es werden Langstreckenpatente und sonstige Diplome erteilt. Auch Wanderfahrten auf dem Festland werden durchgeführt.
Für die Fahrten trägt sich jeder auf der home-page ein. Die Kommunikation – z.B. plötzliche Absagen oder Terminänderungen – erfolgt über Whatts-App in der alle Mitglieder erfasst sind.
Wie auch andernorts hat man den Eindruck, dass die Frauen den Club übernommen haben, dh sie machen die Arbeit und bestimmen, wo es lang geht.
Präsidentin ist zurzeit Anne Moreau.
Wolfgang Jacobi 6.10.26








